Dehnbarkeit biblischer Aussagen

Bei der Akademischen Abschlussfeier des Bachelor of Arts Religionspädagogik am 13. Juli 2013 konnte ich dabei sein. Eine junge Frau, die aus unserer Gemeinde stammt, hatte mich eingeladen. Als „älteres Semester“ freue ich mich sehr, dass es Berufe in der Kirche gibt, die auch von Laien ausgeübt werden können. Insbesondere der Beruf der Gemeindereferentin, den diese junge Frau anstrebt, liegt mir sehr am Herzen. Einige Freundinnen von mir waren die ersten Seelsorgehelferinnen, also Vorgängerinnen der Gemeindereferentinnen.

Was mir nicht aus dem Kopf geht, ist das Motto der Feier:

Was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern

Mt 10,27b

Das klingt gut. Es klingt auch modern. Während der Heiligen Messe und während der anschließenden Feier wurde fotografiert, mancher zückte auch sein Smartphone. Aber wurde gebloggt, getwittert oder wurden sonstwie Facetten von Social Media bedient? Davon habe ich nichts mitbekommen. Auch findet man nirgends im Netz Fotos oder Postings. Ob diese jungen Leute es mit dem Kommunizieren halten wie die Jugendlichen, die zwar gekonnt miteinander kommunizieren, aber nicht mit der Welt? Wenigstens gilt das für Deutschland. In anderen Länder mag der politische Druck größer sein.

Wir waren im September gemeinsam in Israel: Studenten und Studentinnen mit Freunden gemeinsam. Auch das war wieder so ein Lehrstück in Sachen Kommunikation. Während ich mich im Vorfeld darum bemüht hatte, Informationen per Internet allen zugänglich zu machen (was auf wenig Echo stoß), besorgten sich einige Studenten in Israel SIM-Cards, ohne die anderen auf diese Möglichkeit aufmerksam zu machen. Wohl gemerkt: ich beklage mich nicht, sondern beschreibe die Situation, um etwas zu verstehen. Die Möglichkeiten moderner Kommunikation führen nicht unbedingt dazu, dass mehr kommuniziert wird. Auch führen diese Möglichkeiten nicht zu einer Erhöhung der Qualität von Kommunikation.

Was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern.

Matthäus geht es wohl weniger um einen Weg der Kommunikation als um die Dringlichkeit der Botschaft. Es muss raus. Wir können es nicht für uns behalten. Es geht nämlich nicht nur uns an sondern alle. Aber wir, die diese Botschaft gehört haben, tragen Verantwortung.

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4 thoughts on “Dehnbarkeit biblischer Aussagen

  1. Hallo,

    du beschreibst da etwas, dass ich auch schon längere Zeit beobachte. In christlichen Kreisen wird irgendwie kaum gebloggt. Die Situation scheint in Österreich besser zu sein, wenn ich mir katholisch.at so anschaue …

    Habe bis jetzt nur eine Handvoll Blogs gefunden. Eines davon von einer jungen Gemeinde.

    Ich erinnere mich, dass es bei Google+ die Möglichkeit gab/gibt, zu einer Veranstaltung Bilder hochzuladen. Zumindest kann man die Smartphones offenbar so einrichten, dass die Bilder gleich in einem Album zur Veranstaltung landen. Hab’s nicht getestet.

    Daneben hätte man ja ein Tumblr oder so aufmachen können. Also irgendwas, dass schon nach Social Media riecht und wo man dann bequem zu beisteuern kann.

    Beim Bundesparteitag (der Piratenpartei, #BPT132) haben sich gefühlt auch nur wenige der Anwesenden am Stream beteiligt. Die kamen eher von den Daheimgebliebenen. Und ich kann euch vergewissern, dass es nicht daran lag, dass alle gespannt zum Rednerpult starrten 😉
    Ich gehe also davon aus, dass es ein generelleres Problem sein dürfte 😉

    Aber wenn ich mir den Kontext von Mt. 10,27 so anschaue, frage ich mich, ob du es richtig deutest: http://www.bibleserver.com/text/LUT/Matth%C3%A4us10,27

    Der Abschnitt ist mit „Menschenfurcht und Gottesfurcht“ überschrieben …
    Das passt irgendwie nicht zu dem von dir beschriebenen :-S

  2. Ich habe mir den Text noch mal zu Gemüte geführt und kann da keine falsche Deutung finden. Ich lese ja nicht als Exeget und lehre auch nicht. Bibeltexte lese ich immer in einer bestimmten Situation. Sie lösen einen subjektiven Dialog aus. Natürlich würde ich mich nciht an einen Katheder stellen und aller Welt erzählen, dass sie es so sehen müssen wie ich. In diesem Fall hat die Lektüre des Textes mit geholfen, eine Antwort auf einen verunsichernde Lebenssituaion zu finden.
    Übrigens ist die Überschrift in Bibelausgaben eine Lesehilfe, die nicht ursprünglich zum Text gehört. Sie soll es einfacher machen, einen bestimmten Inhalt zu finden.

  3. Dass z.T. wenig los ist online (gemeinschaftlich), das Gefühl habe ich auch. Aber ich glaube, das ist auch eine Frage der Einstellung und Medienkompetenz, vielleicht in dem Zusammenhang auch der Kommunikation nicht nur auf der online-Ebene. Und es hängt von der Gemeinde, Gegend usw. ab. Da, wo ich wohne, finde ich das katholische Angebot etwas dürftig & würde mir mehr wünschen. Mehr zum Online gucken & mehr zum vor Ort anfassen. Eine Kombination dessen fänd ich super. Denn viele „Events“, obwohl für Jugendliche, findet man nur auf dem Papier, sogar von der Hochschulgemeinde oder verwandten Organisationen, wo doch gerade die alles online haben könnten… Wenigstens der Bischof twittert… das gibt mir Hoffnung 😀

    Ich möchte selber gern einen Beitrag zum „digitalen Glauben“ liefern, deshalb werd ich wohl in Zukunft öfter auch Downloads anbieten. Aber ist noch jung… mal sehen was draus wird.

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