„Das war schon immer so.“ – Das ehrenveramtete Establishment schlägt zurück

Nachdem sich die Hauptamtlichen lange genug über den Satz „Das war schon immer so“ (Wer den Kaffee kocht, wo der Müll hin kommt, wer die Kinder betreut, … ) lustig gemacht haben, gab es nach der letzten Frühschicht keinen Kaffee. Niemand hatte die Brötchen geholt, der Gemeindesaal war geschlossen. Einige standen verdutzt davor. Einige sagten, es wäre nichts abgesprochen worden und es würde doch jetzt alles abgesprochen und es sei doch nichts mehr selbstverständlich.

Kopf einer Bassgitarre hinter zwei Altarkerzen
You can get it,
if you really want it

Ich gehöre auch zu denen, die das ganze Jahr über bestimmte Dinge immer wieder tun. Kartoffelschälen vor dem Gemeindefest. So Sachen. Das wird ganz schön schwierig, wenn wir jetzt wirklich jeden kleinen Schritt in Frage stellen.

Andererseits ist Vieles anders geworden. Zum Beispiel kommen die Familien nicht mal mehr während der Erstkommunionsvorbereitungszeit sonntags in die Kirche. Ich kann verstehen, dass unsere Gemeindereferentin sich Sorgen macht und nach Wegen sucht, wie sie die Familien erreichen kann. Auch habe ich selbst erlebt, wie eine Schulfreundin von mir zu einer jüngeren Frau, die in der Küche helfen wollte, sagte, wir wüssten wo alles steht und das ginge ohne sie schneller. Ich weiß jetzt nicht so genau, wie das bei der jungen Frau angekommen ist. Aber ich kann es mir vorstellen. Sie ging weg. Immerhin singt sie in einer unserer Bands mit.

Letzten Sonntag, dem Sonntag vor der letzten Frühschicht in der Fastenzeit, sagte der Pastor, es wäre bald die letzte Frühschicht und er hoffe, dass es dann wieder Frühstück gäbe. Im Übrigen sei das immer so gewesen. Zufällig ist er mir auf dem Weg zur Garage vor die Flinte geraten. Ich sagte: „Ach, jetzt auf einmal doch so wie es immer war?“ und grinste. Er musste schnell weg, denn er hatte noch eine Messe in der nächsten Kirche zu halten. Aber wir kennen uns. Er drohte mir mit dem Beichtstuhl.

Mein Enkel meinte, es gäbe so viele Wege, sich über Kirche und Glauben zu informieren. Die Gemeinschaft in der Gemeinde interessiere ihn nicht. Ihm sei schon klar, dass es da nicht nur alte Leute gäbe. Aber er weiß aus meinen Erzählungen, dass es 10 – 20 Platzhirsche gibt, die auch genau so gut im Turnverein aktiv sein könnten. Mein Enkel meint, es sei gut, dass man sich auf die Kirche verlassen könne, dass sie nicht alle paar Jahre ihre Corporate Identity ändere. Mehr falle ihm dazu nicht ein. 2000 Jahre Kirchengeschichte. Das wird schon werden.

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