Kirche oder Gott ? Was meinte sie?

Gestern habe ich eine Nachbarin im Krankenhaus besucht, die mit ihrem Lebensgefährten in ein Altersheim ziehen muss. Es geht ihr wirklich nicht gut. Aber sie freut sich, dass eine Lösung in Sicht ist. Sie sagte, sie könnten das Ganze nicht ohne Hilfe schaffen. Da könnten ja andere helfen, sagte sie. Da könne ja die Kirche helfen.

Zeitungsartikel: Schweizer Pfarrerin predigt: Es gibt keinen Gott
Kirche geht auch ohne Gott – aber das ist nicht meine Überzeugung
Irgendwas störte mich an dieser Aussage. Ich musste lange drüber nachdenken, die ganze Heimfahrt lang im Bus. Mich störte ja nicht, dass sie etwas von der Kirche erwartet. Dann fiel mir ein, dass wir das ja gar nicht mehr leisten können. Wenn ich mir die Caritas-Runde in unserer Gemeinde so vorstelle: die können das gar nicht stemmen. Die organisieren Sachen. Aber meine Nachbarin braucht Leute, die ihren und den Rolli ihres Lebensgefährten schieben können. Vielleicht werden die beiden noch mal so fit, dass sie am Rollator gehen können, aber Begleitung brauchen sie auf jeden Fall.
Was mich eigentlich störte, das wurde mir schließlich klar, war das offensichtliche Fehlen eines persönlichen Glaubens an Gott. Der Seelsorger soll ins Krankenhaus kommen und die Beerdigung soll schön sein, aber sie betet nicht.
Nun ist glauben natürlich eine sehr persönliche Sache. Aber diese selbstverständliche Servicehaltung der Kirche gegenüber, die den eigentlichen Sinn ausblendet, finde ich traurig. Es macht mich ratlos.
Mein Enkel versteht mich. Meine Kinder sagen, sie hätten genug zu organisieren. Doppelverdiener. Arbeiten den ganzen Tag. Kirche, sagen sie, würde ich viel zu ernst nehmen. Ich solle doch zufrieden sein, die Kinder seien ja alle getauft und zur Erstkommunion gegangen und gefirmt.
Mein Enkel sagt, er mache nur das, wovon er überzeugt ist. Aber dann wird der nachdenklich und sagt, er kellnere ja auch, um Geld zu verdienen. Jeder organisiere sein Leben so gut er kann. Er selber verlasse sich nicht auf Gott. Das könne er sich auch gar nicht vorstellen. Er denkt nach, dann sagt er, er könne noch am ehesten dem Satz zustimmen: hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Auf jeden Fall erwarte er nur etwas von einer Gemeinschaft, an der er auch beteiligt sei.
Dann haben wir noch lange über den Sinn von Kirchensteuern und Religionsunterricht diskutiert.

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