Im Altersheim wird 1Live gehört

Besser als WDR 4 werden einige sagen. Aber nachdem ich einige alte Freundinnen in verschiedenen Altersheimen besucht habe, ist 1Live für mich nicht wirklich das Problem.

Eine junge Mitarbeiterin sagt: „Das Schlimmste ist alt werden. Wenn ich was Vernünftiges gelernt hätte, wär ich jetzt Kassiererin.“ Sie rödelt weiter. Sie sieht die alten Leute, aber sie kann nicht bei ihnen bleiben. Es gibt zu viel zu tun.

Wenn ich 20 Minuten bei einer alten Freundin war, muss ich auch unbedingt an die frische Luft. Diese berufsmäßige Freundlichkeit der höheren Chargen und das Gehetze der Mitarbeiterinnen auf den Stationen ist bedrückend. Bedrückend sind auch die leeren Blicke und die Schreie.

Eine Frau bittet mich, ihr auf die Toilette zu helfen. Ich sage ihr, dass ich nicht zum Personal gehöre. Eine Mitarbeiterin sagt: „Du warst grade.“ Sie ist genervt. Zu mir sagt sie: „Die muss dauernd.“

Bis jetzt ist alt werden für mich ganz in Ordnung. Es geht alles langsamer, ich muss nur noch das, was ich will. Die Knochen schmerzen, aber das ist eben so. Meine Enkel kommen gern. Ich backe Kuchen und schäle Kartoffeln fürs Gemeindefest. Aber im Altersheim ist es die Hölle. Ich hab wirklich noch kein Altersheim gesehen, in dem es schön wäre. Wie kann man das ändern? Wir nehmen es einfach so hin, dass unsere alten Leute hilflos vor sich hin vegetieren. 1Live läuft, damit die jungen Mitarbeiterinnen nicht völlig durchdrehen.

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