Der Troll in unserer Andacht

Seit einiger Zeit kommt ein stadtbekannter Buddhist in unsere Rosenkranzandacht. Er äußert sich vernehmlich, wenn ihm eine Formulierung nicht passt. Das stört. Mein Enkel sagt, solche Leute nenne man im Internet Troll, weil sie ungehobelt die Regeln der Höflichkeit nicht beachten. Sie passen überhaupt nicht ins Setting, sagt er, aber sie sprechen Dinge an, über die man nachdenken kann.
Ich möchte in der Rosenkranzandacht beten, still und so wie ich es kenne. Der Mann stört.
Unsere Gemeindereferentin sagt, im Studium hätte sie gelernt, dass Störungen Vorrang haben. Das sei nicht einfach, weil man eine Veranstaltung gern gelungen über die Bühne bringen wolle. Aber diese Störungen wiesen immer auf Dinge hin, die geändert werden müssen. Denn die meisten Menschen äußern sich nicht. Die meisten Menschen trauen sich einfach nicht, in der Öffentlichkeit ihre Meinung zu sagen.
Ich habe den Buddhisten angesprochen und er hat gesagt, er sei auch mal katholisch gewesen, aber jetzt sei er auf dem richtigen Weg und der sei der friedliche Weg. Aber wir würden immer Menschen ausschließen.
Manchmal denke ich, dass wir Katholiken grad das erleben, was wir anderen jahrhundertelang angetan haben. Diese Überheblichkeit kann ich nur ertragen. Mir fallen wirklich keine Argumente ein. Und wie ich einen Rosenkranz so beten kann, dass es ihm gefällt, weiß ich auch nicht. Ich hab schon keine Lust mehr, in die Andacht zu gehen. Gut, andere schwatzen auch mittendrin, aber sie stören nicht.
Haben Sie eine Idee?

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3 thoughts on “Der Troll in unserer Andacht

  1. Der Vorrang von Störungen ist ein Konzept der Themenzentrierten Interaktion, das für Gruppenarbeit gedacht ist. Der Fehler, dem anscheinend auch der Buddhist aufsitzt, liegt in der Verwechselung von Andacht und Diskussionsveranstaltung.
    Vielleicht kann man dem Buddhisten anbieten, seine Gedanken an geeigneter Stelle (z.B. in einem seelsorgerischen Gespräche) einzubringen, weil sie in der Andacht nicht ihren Platz haben.
    Vielleicht ist er aber tatsächlich nur ein Troll, der nach Aufmerksamkeit dürstet – ein armer Kerl, der keinen auf der Welt hat, der ihn beachtet, wenn er sich nicht daneben benimmt. Das kennt man auch von „Flitzern“ bei Fussballspielen – der Ansatz dort ist, den Kerl ohne viel Aufhebens vom Platz zu schaffen. In einer vergleichbaren Situation (betrunkener Gröhler in der Messfeier) hab ich das mal gemacht – ich war allerdings auch zweieinhalb Köpfe größer und doppelt so schwer wie der Störer — gibt das in der Gemeinde vielleicht jemanden dieser Art, der helfen könnte?

  2. Ich wundere mich über den missionarischen Buddhisten gar sehr.
    Sein „friedlicher“ Weg ist offenbar ein unsozialer, wenn er andere Menschen durch seine Zwischenrufe stört. Vielleicht sollte man ihm den Hinweis geben, dass dies ganz schlecht fürs Karma sei. Wohlmöglich kommt er im nächsten Leben sonst als Rosenkranz auf die Welt 😉

  3. Ha,ha,das erinnert mich ein bisschen an eine Frau die regelmäßig zum Freitagsunterricht kam.Jeden Freitag fiel sie der Rednerin min. drei mal ins Wort,immer mit dem selben Anfang:,,Aber bei den Shiiten ist anders …..“Jeden Freitag mussten wir sie höflich darauf hinweisen das sie in einer sunnitischen Moschee ist.

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