Inklusion hat keine Beine außer deine (Weltgebetstag wie immer)

Der Weltgebetstag war schön. Wir hatten wieder viel Kuchen gebacken und auch Schnittchen geschmiert (die sind seit einigen Jahren neu dazu gekommen). Die Tische waren schön gedeckt. Bei der Deko der Kirche hatten wir die Ideen der Frauen aus den Bahamas aufgegriffen. Es war schön bunt, mit Muscheln und Tieren aus Plastik und echtem Obst.

Den Tag versaut hat mir mein Enkel. Er verdient sich sein Geld für sein Studium in einer Behinderteneinrichtung und ist darum heute in dem Ort, in dem er arbeitet, mit einer Gruppe Behinderter im Weltgebetstagsgottesdienst gewesen. Natürlich waren sie nicht pünktlich und der kleine Trupp fiel auch ein bisschen auf, sagt er. Aber dass ihnen niemand Liederhefte gab oder half, einen Platz in der Kirche zu finden, finde ich schlimm. Dass es dann auch noch Gedrängel am Buffet ohne Rücksicht auf andere gab, finde ich auch schlimm. Sicherlich bin auch ich nicht mehr ganz sicher auf den Beinen und möchte den besten Kuchen ergattern. Das gebe ich gerne zu. Und ich weiß nicht, ob ich mich rücksichtsvoller verhalten hätte als die Frauen, von denen mein Enkel erzählt. Darum schäme ich mich jetzt auch gründlich.

Schlimm finde ich auch, dass erwachsene Behinderte wie Kinder behandelt werden. Meinem Enkel platzte irgendwann der Kragen und es gab richtig Zoff. Die alten Damen waren sauer, sagt er, dass er und sein kleiner Trupp nicht dankbar waren für die Hilfe, die sie bekamen. Aber sie bekamen eben nur die Hilfe, die man ohne Verlust bereit war zu geben. Aufgestanden war niemand. Niemand hatte Platz angeboten. Dafür hieß es: „Was wollen die Kinder essen?“ Da platzte meinem Enkel der Kragen. Da sagte er, das seien keine Kinder. Da sei die alte Dame beleidigt fortgegangen.

Am Ende des Weltgebetstages war ich erschöpft. Wir haben ja auch noch in der Küche gearbeitet und die Kirche aufgeräumt. Aber der Bericht meines Enkels hat mir den Rest gegeben. Was sind wir nur für Christen? Dabei bin ich mir nicht sicher, ob wir es irgendwie besser machen können. Vielleicht sollten wir einfach niemanden einladen? So ein Tag ist stressig. Wir sind es gewohnt, unter uns zu sein. Wir sind einfach nicht darauf eingestellt, uns auch noch um andere zu kümmern. Wir sitzen an unseren Tischen, genießen Kaffee und Kuchen und haben die Bahamas mit ihren Problemen schon wieder vergessen. Jetzt fällt mir die Fußwaschung wieder ein. Wir haben die Probleme der Frauen auf den Bahamas mit einer Fußwaschung verbunden. Aids, häusliche Gewalt, Migration, Brustkrebs, … solche Sachen eben. Die Fußwaschung ist ein bekanntes Ritual aus der Liturgie des Gründonnerstag. Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße. Dieses Evangelium wurde heute vorgelesen. Im Nachhinein denke ich, dass wir vom Vorbereitungsteam alle sehr angespannt waren. Dieses Organisieren macht uns Freude, aber wir werden nicht jünger. Es kommen keine Jüngeren nach.

Jetzt bin ich müde. Ich gehe an einen einsamen Ort, genieße den Vollmond, gönne mir ein Feierabendbier (als Rentnerin muss ich nicht mehr fasten) und bitte Gott, sich unserer Probleme anzunehmen. Damit will ich mich nicht aus der Affäre ziehen. Vielleicht bringt Gott mich auf bessere Gedanken.

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