Nochmal ein paar Worte zu Gründonnerstag

Gründonnerstag, 21 Uhr, Einsetzung des Abendmahles. Der Pfarrgemeinderat hatte vor einigen Jahrzehnten angeregt, die Kommunion in beiderlei Gestalt auszuteilen. In diesem Jahr teilten 2 Priester die Kommunion aus. 3 Priester (der amtierende Pastor und zwei Pensionäre) waren insgesamt am Altar. Sonst nur Messdienerinnen und eine Lektorin.
Nach dem Gottesdienst ging es mit einer Anbetung weiter. Eine der Gemeindereferentinnen las aus dem Gotteslob eine Andacht in Abschnitten. Das Lied zwischendurch wurde durchgesungen, ganz egal, wie viele Strophe sie ansagte.
Ich bin immer noch ratlos.

Ein Bach im Wald, die Bäume sind noch kahl, der Bach plätschertWir hatten nach dem II.Vatikanisches Konzil ordentlich gebuttert. Tischmütter bei der Erstkommunionvorbereitung, Frühschichten in der Fasten- und Adventszeit, Beratungen zu diesem und jenem.

  • Tischmütter darf man nicht mehr sagen, weil das diffamierend ist. Mittlerweile findet man keine Mütter oder Väter mehr, die diesen Dienst (wie immer man ihn nennt) übernehmen möchten.
  • Frühschichten werden von genau denen besucht, die sie in den 70igern eingeführt haben. Jugendliche, die zwischenzeitlich dabei waren, kommen gar nicht mehr. Damals war diese Gottesdienstform für Jugendliche gedacht.
  • Wir haben das Gemeindefest und die Fronleichnamsprozession mit Gulaschkanone versehen. Mittlerweile ist niemand mehr da, der die bedienen könnte. Kann das wirklich sein?

Mein Enkel sagt, er findet Kirche wichtig, aber Gemeinde uninteressant. Er findet es gut, dass verlässlich Gottesdienste stattfinden und diese Gottesdienste in einer Gemeinschaft stattfinden. Er sagt, dass er diese Gemeinschaft genießt. Aber Gemeinde findet er uninteressant.

Grade erfahre ich, dass ein alter Schulfreund von mir gestorben ist. Wir telefonieren. Wir treffen uns zum Rosenkranzgebet. Was wird mein Enkel in dem Fall machen? Er sagt, sie treffen sich auch, aber es gibt in seinem Freundeskreis keine religiösen Rituale. Man zündet Kerzen an. Man sucht nach persönlichen Symbolen. Man spricht über den Verstorbenen und tröstet sich gegenseitig. Er meint, wir Alten, wir würden so anonyme Rituale abziehen. Naja. Im Rosenkranzgebet finde ich Trost. Dadurch werde ich nicht weltfremd. Wir diskutieren, mein Enkel und ich. Wenn heute jemand stirbt, wird der Pastor über den Bestatter informiert. Immer öfter kennt der Pastor den Toten gar nicht und die Angehörigen kennen den Pastor nicht. Der Pastor sagt, dass die Gespräche mit Angehörigen und Freunden vor einer Beerdigung Trost spenden und manches zur Sprache bringen. Er sagt auch, dass er immer öfter ratlos ist, weil die Beziehungen immer fremder werden. Kirche ist nur noch Dienstleister. Immerhin.

Ich bin ein wenig traurig, weil unsere Aufbruchstimmung dahin ist. Eigentlich haben wir diese Aufbruchstimmung immer noch, wenn wir beieinander sind (Frauengemeinschaft, Rosenkranzgebet, Geburtstagsfeiern). Aber wir geben dieses Gefühl nicht weiter. Was ist Kirche eigentlich für die meisten Gemeindemitglieder?
Kann man sagen, dass wir versagt haben? Wir haben unseren Glauben nicht glaubwürdig weitergegeben. Wir sind zu Konsumenten degeneriert, die nicht in der Lage, in einem Gottesdienst aktiv beteiligt zu sein. Wir können auch keine Verantwortung übernehmen. Wir überlassen der aussterbenden Priesterkaste das Hüten der Asche.

Ich freu mich auf die Osternacht. Das Licht tragen wir mit unseren Kerzen vom Osterfeuer in die Kirche. Die Osterkerzen unserer beiden Kirchenstandorte werden aufgestellt. Die Kirche wird immer heller, von Lesung zu Lesung. Anschließend gehen wir in den Gemeindesaal. Auch ich habe Osterlämmer gebacken. Es wird bunter Eier geben und das erste Getränk wird für alle kostenlos sein. Dann sieht die Welt vielleicht wieder anders aus.

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