Abschied vom Enkel

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Mein Enkel hat die Schnauze voll. Er wird nach Weihnachten ins Ausland gehen. Vorher hat er mir die 2-Wege-Authentifizierung und das Online-Banking beigebracht. Ich hoffe, ich hab alles verstanden. Wen kann ich fragen, wenn er nicht da ist?

Wir haben uns über Bildung unterhalten. Er ist wütend über die Presse. Lügenpresse sagt er nicht. Aber er sagt, dass die Öffentlichkeit in Angst gehalten wird. Ich erinnere mich an die Zeit, in der es besser erschien, unentdeckt zu bleiben oder einfach nur nicht aufzufallen. Wir leben nicht in einer Diktatur. Aber die Machthaber (wer immer das sein mag) haben erkannt, dass man auch ganz anders Macht ausüben kann. Teilen und herrschen. Ist ganz einfach. Wer Geschenke bekommt, meckert nicht.


 

Auf meinem Balkon steht ein Grablicht. Darin brennt das Friedenslicht aus Bethlehem. Mein Enkel hat es mir von einem Gottesdienst der Pfadfinder mitgebracht. Da war ein Freund von ihm dabei, der auch im Unperfekthaus aktiv ist. Wir müssen aufpassen, sagt mein Enkel, dass unser Leben aus der Folkloreschleife wieder rauskommt.

  • Fest der Liebe.
  • Versicherung.
  • Wir schaffen das.

Wenn wir nichts mehr davon hören wollen, schalten wir einfach den Fernseher aus.

Manchmal denke ich, zu anderen Zeiten wäre mein Enkel ein Katharer geworden. Aber er ist kein Radikaler und hat viel Verständnis für andere Lebensansätze. Nur dass wir Christen unser Christsein für ein Butterbrot und das bisschen Sicherheit verkaufen, gefällt ihm nicht. Das gefällt auch mir nicht. Es macht mich froh, dass in unserer Gemeinde Flüchtlinge willkommen sind. Aber ich komme aus der Sorge um meine Altersversorgung nicht raus. Mein Enkel sagt, ich solle mir keine Sorgen machen. Diese ganze Sparerei. Da blickt doch keiner mehr durch. Es wird schon gut gehen.

In Bethlehem gibt es radikale Kräfte. Habe ich in den Nachrichten erfahren. Ja. Diese ganzen Zusammenhänge aus Angstmacherei und dem was uns wirklich wichtig ist, was wir schützen wollen, was überleben soll, was leben soll. Die radikalste Kraft ist die der Liebe. Die überlebt auch ohne Protektion. Diese Kraft zieht meinen Enkel aus dem vollgekackten goldenen Käfig.


 

Ich bin müde. Die ganze Lügerei und Hetzerei. Die vielen Nachrichten. Das Verstummen. Die Weihnachtsbotschaft. Ob ich heute Abend in die Christmette gehe, weiß ich noch nicht. Ist schade, aber ich bin so müde.

Frohe Weihnachten !

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4 thoughts on “Abschied vom Enkel

  1. Ich wünsche frohe Weihnachten und kann gut nachvollziehen, was in Ihnen vorgeht.
    Unsere Tochter hat das Land im Sommer gen Neuseeland verlassen. Nach einem super Masterstudium in einem technischen Beruf fehlte eine langfristige Perspektive in Deutschland.
    Viele ihrer Kommilitonen haben trotz guter Abschlüsse an der TU bis heute keine Jobs gefunden. Wer klug ist, verlässt uns. Und das Mutterherz ist schwer…

    1. Wünschen wir unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Zukunft.
      Eigenartig ist ja schon, dass die einen zu uns kommen und einige von uns in die Welt hinausgehen. Wir vermischen uns. Das ist eigentlich schön, weil so auf Dauer keine Kriege mehr möglich sein werden. Nur wenn man persönlich betroffen ist, ist es schwer.
      Trotzdem und auch als Trost: Frohe Weihnachten!

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