Grandma Lo-fi und die Kultur des Teilens

Grandma Lo-fi: The Basement Tapes of Sigrídur Níelsdóttir from Republik Film Productions on Vimeo.

Jetzt weiß ich wieder, was ich mir wünschen kann. Weihnachten, Geburtstag und so, das wird immer schwerer. Aber nachdem ich dies Video gesehen hatte, dachte ich:

Es gibt so viele ganz normale Dinge, die wunderbar sind und die ich mit anderen teilen möchte.

Ich wünsche mir mehr Möglichkeiten, etwas mit anderen zu teilen. WordPress ermöglicht mir, meine Gedanken und Erfahrungen zu teilen. Weil ich gern backe, kann ich anderen mit Kuchen eine Freude machen. Kartenschreiben ist schön. Die einen freuen sich beim Auswählen, die anderen beim Ansehen. Da mein Garten mir zu viel wird, kann ich ihn Leuten zur Verfügung stellen, die durch Urban Gardening auf neue Ideen gekommen sind. … und so weiter.

Danke, Grandma Lo-fi. Danke, G-tt.

Wir hinterlassen Spuren

Der Chor, in dem ich singe, besteht zu gut der Hälfte aus Herren und Damen in meinem Alter. Aber natürlich haben wir trotzdem eine Website, eine Homepage oder wie auch immer. Die ist selbst aus meiner Sicht sehr öde. Der Vorstand fühlt sich nicht in der Lage, etwas Besseres zu erstellen. Dabei gibt es so einfache Möglichkeiten. Ich habe vorgeschlagen ein Blog einzurichten. „Was ist ein Block?“ Nun gut.

Zuhause habe ich mir mal die schlichten Designs anderer Seiten angeguckt. Es geht so einfach. Es kann gut lesbar und trotzdem interessant sein.

Tintenklecks mit weißer 2 und dem Wort

Mit ist aufgefallen, dass es einen Unterschied macht, wie man eine Adresse schreibt. Schönes Beispiel: Kirche hoch 2.

  • Schreiben Sie es mal mit Zahl (erreichen Sie die Startseite, aber können Sie nicht weiter klicken).
  • Schreiben Sie die Zahl aus (können Sie alle Seiten besuchen).

Interessant, oder? Interessant ist auch der letzte Abschnitt in diesem Artikel: Einfach Nachbar sein. Wir alten Damen hinterlassen Spuren. Auch wenn wir gar nicht im Internet sind. Nein, falsch formuliert. Besser: Auch wenn wir nicht aktiv in den Sozialen Netzwerken unterwegs sind, kann man Spuren unseres Lebens in den Tiefen des World Wide Web finden (den Satz hat mein Enkel grade getippt). Allerdings: wenn wir wollen, dass unsere Einsichten und Ansichten gehört und bedacht werden, müssen wir sie zumindest äußern (s. Artikel).

Frühjahrsputz für Geocacher: CITO

Auf der ganze Welt finden in diesen Tagen CITOs statt: Cache In Trash Out. Geocacher organisieren Events:

  • Essen, Trinken, Toiletten
  • Anfahrt, Ort
  • Müllsäcke, Arbeitshandschuhe, Greifer
  • eine Menge Zubehör, das man an Ständen von Geocaching-Shops kaufen kann

Ich bin beeindruckt: 100 Menschen trafen sich auf dem Gelände der Henrichshütte in Hattingen an der Ruhr. Organisiert hatten das begeisterte Geocacher, die ein Logo designet hatten, lustige T-Shirts trugen, ein Gruppenfoto machten, einen Zeitplan erstellten. Was man halt so tut, wenn es was zu organisieren gibt, wenn viele Menschen zusammenkommen. Und diese vielen Menschen kennen einander nicht oder sie kennen sich aus dem Internet oder sie treffen sich immer wieder und wissen, welche Pseudonyme sie online benutzen.

Banner

Mein Enkel macht seit seinem 14. Lebensjahr Geocaching. Er findet Dinge und versteckt Dinge. Zu diesem CITO hat er mich mitgenommen, weil er dachte, dass Putzen und Aufräumen ein guter Zugang für mich wäre. Witzbold.
Abgesehen von der Location (so nennt man den Ort, an dem man sich trifft) war die Veranstaltung an sich für mich ein Erlebnis. Jetzt sitze ich Zuhause und frage mich, warum wir in der Kirche sowas nicht hinkriegen:

  • Menschen zusammenbringen, die das Gleiche wollen
  • Spaß haben
  • Freizeit miteinander verbringen
  • arbeiten, ohne sich ausgebeutet zu fühlen (100 Menschen haben Müllsäcke geschleppt und in Dreck gegriffen und Spaß dabei gehabt)
  • Regel beachten, ohne jemanden auszugrenzen

Übrigens habe ich keinen einzigen Cache gefunden. Wirklich nicht. Ich bin groß darin. Trotzdem hat mein Enkel für mich ein Konto bei Opencaching erstellt und mir gezeigt, wie man es bedient. Denn natürlich konnte man leicht einige Dosen finden, weil man ja die ganzen Menschen immer mal wieder an einem Platz rumstehen sah. Zu den Regeln des Geocachen gehört, dass man muggelfrei loggt. Ihr versteht: Harry Potter = wir sind die Zauberer und die anderen sind die Muggel. Aber wenn Geocacher beieinander sind, helfen sie einander großzügig. Niemand neidet dem anderen seinen Erfolg oder verbirgt seine Kenntnisse. So kam also auch ich zu ein paar Dosen. Aber dass ich zu doof bin, selber was zu finden, ärgert mich schon.

Warum ist unser Glauben nur so ein Geheimnis? Es ist so, dass wir uns selten darüber austauschen. Auch über das, was Kirchenvorstand, Pastoralteam und Gemeinderat machen, kommt in der Öffentlichkeit kaum was an.

Sie denken jetzt bestimmt, dass mein Enkel mich mit seinem offenen Denken stark beeinflusst. Da haben sie Recht. Das finde ich christlich.

Übrigens habe ich eine Dose in unserer Kirche versteckt. Bisher hat niemand sie gefunden. Sie ist nirgendwo gelistet. Vielleicht kommt das noch.

#Blogtürchen – Die besondere Blogparade im Advent

Ein netter Junge aus dem Freundeskreis meines Enkels hat eine Blogparade vorgeschlagen. Dabei muss ich jetzt Folgendes tun:

1. Auf einen alten Artikel hinweisen, den ich bereits geschrieben habe. Vielleicht ist er wieder wichtig oder meine Sichtweise hat sich geändert.
Ich habe einen Beitrag ausgewählt, der ein erster Versuch im Internet für mich war. Wie schreibt man überhaupt? Was interessiert die Leute? Aber ich möchte nicht nur schreiben, was die Leute interessiert. Darum gibt es außer Nutella auch Ovomaltine.

2. Einen Artikel aus meiner Nische zu finden, bei dem ich etwas Neues lerne, ist nicht so leicht. Ich selbst bin ja die Nische: alte Frau, Mitte 80. Was kann ich von anderen alten Frauen Mitte 80 beim Bloggen lernen? Bis jetzt finde ich hier immer nur Jüngere, die interessante Dinge tun. Als alte Frau wird man im Internet öfter als rückständig und nicht lernfähig dargestellt. Eine Witzfigur. Ich würde mich freuen, andere alte Frauen Mitte 80 zu finden, die auch interessiert sind am Internet. Könnt Ihr mir dabei helfen?

3. Jetzt soll ich einen Artikel suchen, der nicht aus meinem Fachbereich ist, und bei dem ich etwas lerne. Das ist einfach. Ich finde alle Artikel über das Programmieren einfach schön. Nicht immer verstehe ich alles, aber es ist beeindruckend. Menschen können sich verständigen. Es entwickelt sich etwas Neues. Das finde ich schön.
Aber ich könnte keinen Artikel empfehlen, weil mir der Überblick fehlt. Darum empfehle ich als Katholikin lieber den Blog einer Muslima, deren Artikel so was wie geistliche Worte für mich sind.

Wenn ich es richtig verstanden habe, werden jetzt auch andere Blogger etwas schreiben, das in die Blogtürchen-Parade passt. Dann erfahren wir jeden Tag von anderen etwas von dem weltweiten Internet mit seinen vielen interessanten Themen. Diese Themen schwirren nicht wild herum. Sie werden mir von Menschen präsentiert, die mir zeigen, was ihnen wichtig ist. Das freut mich.

Lamento über den „modernen Menschen“ stoppen

Eigentlich dachte ich, das Thema müsse jetzt langsam durch sein. Aber dann las ich heute morgen: „Dinge werden genutzt und Menschen gebraucht. Aber der moderne Mensch macht es leider umgekehrt.“ Da könnte ich vor Wut an die Decke gehen. Haben wir nicht das Jahr, in dem wir nicht nur an den I. Weltkrieg erinnern, sondern auch über die Zusammenhänge aufklären? Geht es nicht in diesen Tagen um den Fall der Mauer? Bereitet die evangelische Kirche nicht mir allerhand Pomp den Geburtstag von Martin Luther vor, der den Ablaß-Mißbrauch erfolgreich bekämpfte?

Ich kann diese bodenlose Borniertheit und abgrundtiefe Dummheit intelligenter Menschen nicht verstehen, die so tun als sei der Mensch erst mit Erfindung des 21. Jahrhunderts mit der Nase auf Moral und Anstand gestoßen worden. Mein Verdacht ist, dass sich da manche aus der Verantwortheit stehlen. Denn sie zählen sich nicht zu den modernen Menschen. In welchem Jahrhundert hätten sie gern gelebt? In welchem Land? Haben die alle im Geschichtsunterricht gepennt? Das sind die gleichen Menschen, die für alles und jedes eine Versicherung haben und in jedem Zimmer mindestens einen Feuermelder.

Beim letzten Frauenkaffee im Gemeindesaal kam kurz die Frage auf, ob wir überhaupt Weihnachtspäckchen für Flüchtlinge packen sollten. Da hatten welche (es sind immer die gleichen) was in der Zeitung gelesen. Wir haben überlegt, was wir statt dessen tun können. Spenden? Nach Syrien fahren? Unsere Wohnungen für Flüchtlinge öffnen? Wir bräuchten viel Hilfe, wenn wir Unterkünfte für Flüchtlinge organisieren sollten. Wir kriegen ja nicht mal eine Weihnachtsfeier für Flüchtlinge hin. Das ein Drittel von uns selber Flüchtlinge sind, kommt selten zur Sprache. Ich bin immer ratlos, wenn solche Diskussionen aufkommen. Ich denke, wir tun, was wir können. Wenn es anders sein soll, brauchen wir Hilfe. Wir brauchen Hilfe, wenn wir unser Verhalten ändern sollen. Vorwürfe werden nichts auf den Weg bringen. Da ziehen wir uns eher zurück.

Mein Enkel sagt: „Oma, reg dich nicht auf.“ Er lernt jetzt an der Uni eine neue Programmiersprache. Sie hatten schon am Gymnasium einen Kurs, bei dem hat er mir einen Bildschirmschoner gebastelt. Der ist sehr schön geworden. Er besteht eigentlich nur aus Zahlen und Buchstaben und Klammerauf, Klammerzu. Wer es lesen kann, erkennt daraus, was es wird und was es kann. Ich bin beeindruckt.
Er hat eine Hausaufgabe. Er soll das hier in Perl schreiben:
someprocess | sed -r „s/([0-9]+)\/([0-9]+)\/([0-9]+)/\2\.\1\.\3/“
Haben Sie eine Ahnung, was das bedeutet? Bis zum Martinszug muss er es fertig haben.

Doofe stecken an (Nerds, Geeks und ganz normale Menschen) – Beispiel: chromecast

In einem Radiobeitrag eines Experten für Computer, der sich selbst als Nerd bezeichnet, erfuhr ich, dass man den chromecast bloß plug-and-play an den HDMI-Anschluß des Fernsehers anschließen muss und schon kann es losgehen. Braucht man eine extra Fernbedienung? Nein, bräuchte man nicht. Zu dem Zeitpunkt suchte ich bereits nach meinen Herztabletten. Dann ließ sich der Nerd doch noch zu der Bemerkung hinab, es würde per Smartephone gesteuert.

Wer auf die Chromecast-Homepage geht, wird sich des Eindrucks nicht erwehren können, dass der Nerd einfach die Seite von oben nach unten runtergelesen hat. Das entscheidende Kleingedruckte hat er glatt übersehen: WLan. Ohne WLan funktioniert die ganze Sache nicht. Denn auch der Fernseher muss mit WLan kommunizieren. Der chromecast-Stick ist in dem gleichen WLan wie das Smartephone. Nur so funktioniert das Ganze.

Egal wer ich bin: wenn ich mir im Gespräch nicht klar mache, wer der Andere ist, ist mein Gerede sinnlos. Natürlich hat der Nerd WLan. Aber nicht jeder hat WLan. Das muss man erklären. Wenn so ein Computerexperte andere informieren möchte, kann er sich nicht auf sein Nerdsein beschränken. Denkt er vielleicht, Menschen ohne WLan seien rückständig? Tja. Aber es gibt Menschen ohne WLan.

Wer diesen chromecast gerne mal ausprobieren möchte, kann sich einen bei mir leihen. Die Installation ist einfach. Man steckt das Ding in den HDMI-Steckplatz am TV und mit dem anderen Kabel an die Steckdose (ja, der chromcast braucht Strom; den Strom bezieht der nicht aus dem HDMI-Anschluß. Man kann auch mit einem freien USB-Anschluß am TV Strom bekommen.) Möglicherweise muss man noch mit der Fernbedienung des TV einstellen, dass der HDMI-Anschluß angesteuert wird. Dann sieht man den Bildschirm auch schon okkupiert von der Installationsanleitung des chromecast. Nun braucht man noch eine App auf seinem Smartephone. Ist die App bereit, läuft alles Weitere selbsterklärend.

Die Zeiten ändern sich

Mein Enkel zeigte mir heute einen Tweet aus Gründen.

 

Bei meiner Abiturprüfung war ich damals durchgefallen, weil ich das Wachsen im Glauben mit Hegel beglaubigen wollte. Seine Dialektik hielt der Vorsitzende für kommunistisches Gedankengut. Ich hielt es für Dialog.
„Oma,“ sagte mein Enkel heute, weil er diese Schmach meiner Schullaufbahn kennt, „da treffen sich Leute in Stuttgart und debattieren über Kirche im Web. Gut, oder? Und rate mal, was ich da gelesen habe: Hegel und Dialog.“
Ja, so ist das. Offenbar ein Quergedanke.
Meine Tochter kann sich nicht darüber freuen, dass wiederverheiratete Geschiedene mittlerweile mit Barmherzigkeit behandelt werden. Sie wirft mir vor, dass wir in den Laiengremien zu wenig Nachdruck auf die Themen gelegt haben, die uns betrafen. Wir waren froh darüber, dass unser Pastor niemandem die Kommunion verweigert. Ich bin traurig, weil meine Tochter leidet. Ich bin auch traurig, weil sie so wenig Geduld hat. Dinge ändern sich. Alles braucht Zeit. Vielleicht wäre es wirklich schneller gegangen, wenn … . Ach. Ich weiß wirklich nicht, ob wir was hätten besser machen können.