Rosenkranzgebet für Flüchtlinge und ihre Helfer

Wenn unsere Gemeindereferentin das Rosenkranzgebet übernimmt, muss man mit allem rechnen. Immerhin: es wird Rosenkranz gebetet.

Am vergangenen Dienstag war sinnigerweise in unserer Nachbargemeinde ein Seniorennachmittag und wir vermuteten schon, das Rosenkranzgebet würde ausfallen, weil unser Pastor ja nicht da war. Aber da tauchte unsere Gemeindereferentin auf. Ich weiß gar nicht, ob die normalerweise Rosenkranz betet. Aber sie macht es immer sehr schön. Aus der Erinnerung habe ich einmal aufgeschrieben, wie der Ablauf war. Vielleicht können Sie ja was damit anfangen.

Rosenkranz 2015

Nochmal ein paar Worte zu Gründonnerstag

Gründonnerstag, 21 Uhr, Einsetzung des Abendmahles. Der Pfarrgemeinderat hatte vor einigen Jahrzehnten angeregt, die Kommunion in beiderlei Gestalt auszuteilen. In diesem Jahr teilten 2 Priester die Kommunion aus. 3 Priester (der amtierende Pastor und zwei Pensionäre) waren insgesamt am Altar. Sonst nur Messdienerinnen und eine Lektorin.
Nach dem Gottesdienst ging es mit einer Anbetung weiter. Eine der Gemeindereferentinnen las aus dem Gotteslob eine Andacht in Abschnitten. Das Lied zwischendurch wurde durchgesungen, ganz egal, wie viele Strophe sie ansagte.
Ich bin immer noch ratlos.

Ein Bach im Wald, die Bäume sind noch kahl, der Bach plätschertWir hatten nach dem II.Vatikanisches Konzil ordentlich gebuttert. Tischmütter bei der Erstkommunionvorbereitung, Frühschichten in der Fasten- und Adventszeit, Beratungen zu diesem und jenem.

  • Tischmütter darf man nicht mehr sagen, weil das diffamierend ist. Mittlerweile findet man keine Mütter oder Väter mehr, die diesen Dienst (wie immer man ihn nennt) übernehmen möchten.
  • Frühschichten werden von genau denen besucht, die sie in den 70igern eingeführt haben. Jugendliche, die zwischenzeitlich dabei waren, kommen gar nicht mehr. Damals war diese Gottesdienstform für Jugendliche gedacht.
  • Wir haben das Gemeindefest und die Fronleichnamsprozession mit Gulaschkanone versehen. Mittlerweile ist niemand mehr da, der die bedienen könnte. Kann das wirklich sein?

Mein Enkel sagt, er findet Kirche wichtig, aber Gemeinde uninteressant. Er findet es gut, dass verlässlich Gottesdienste stattfinden und diese Gottesdienste in einer Gemeinschaft stattfinden. Er sagt, dass er diese Gemeinschaft genießt. Aber Gemeinde findet er uninteressant.

Grade erfahre ich, dass ein alter Schulfreund von mir gestorben ist. Wir telefonieren. Wir treffen uns zum Rosenkranzgebet. Was wird mein Enkel in dem Fall machen? Er sagt, sie treffen sich auch, aber es gibt in seinem Freundeskreis keine religiösen Rituale. Man zündet Kerzen an. Man sucht nach persönlichen Symbolen. Man spricht über den Verstorbenen und tröstet sich gegenseitig. Er meint, wir Alten, wir würden so anonyme Rituale abziehen. Naja. Im Rosenkranzgebet finde ich Trost. Dadurch werde ich nicht weltfremd. Wir diskutieren, mein Enkel und ich. Wenn heute jemand stirbt, wird der Pastor über den Bestatter informiert. Immer öfter kennt der Pastor den Toten gar nicht und die Angehörigen kennen den Pastor nicht. Der Pastor sagt, dass die Gespräche mit Angehörigen und Freunden vor einer Beerdigung Trost spenden und manches zur Sprache bringen. Er sagt auch, dass er immer öfter ratlos ist, weil die Beziehungen immer fremder werden. Kirche ist nur noch Dienstleister. Immerhin.

Ich bin ein wenig traurig, weil unsere Aufbruchstimmung dahin ist. Eigentlich haben wir diese Aufbruchstimmung immer noch, wenn wir beieinander sind (Frauengemeinschaft, Rosenkranzgebet, Geburtstagsfeiern). Aber wir geben dieses Gefühl nicht weiter. Was ist Kirche eigentlich für die meisten Gemeindemitglieder?
Kann man sagen, dass wir versagt haben? Wir haben unseren Glauben nicht glaubwürdig weitergegeben. Wir sind zu Konsumenten degeneriert, die nicht in der Lage, in einem Gottesdienst aktiv beteiligt zu sein. Wir können auch keine Verantwortung übernehmen. Wir überlassen der aussterbenden Priesterkaste das Hüten der Asche.

Ich freu mich auf die Osternacht. Das Licht tragen wir mit unseren Kerzen vom Osterfeuer in die Kirche. Die Osterkerzen unserer beiden Kirchenstandorte werden aufgestellt. Die Kirche wird immer heller, von Lesung zu Lesung. Anschließend gehen wir in den Gemeindesaal. Auch ich habe Osterlämmer gebacken. Es wird bunter Eier geben und das erste Getränk wird für alle kostenlos sein. Dann sieht die Welt vielleicht wieder anders aus.

Inklusion hat keine Beine außer deine (Weltgebetstag wie immer)

Der Weltgebetstag war schön. Wir hatten wieder viel Kuchen gebacken und auch Schnittchen geschmiert (die sind seit einigen Jahren neu dazu gekommen). Die Tische waren schön gedeckt. Bei der Deko der Kirche hatten wir die Ideen der Frauen aus den Bahamas aufgegriffen. Es war schön bunt, mit Muscheln und Tieren aus Plastik und echtem Obst.

Den Tag versaut hat mir mein Enkel. Er verdient sich sein Geld für sein Studium in einer Behinderteneinrichtung und ist darum heute in dem Ort, in dem er arbeitet, mit einer Gruppe Behinderter im Weltgebetstagsgottesdienst gewesen. Natürlich waren sie nicht pünktlich und der kleine Trupp fiel auch ein bisschen auf, sagt er. Aber dass ihnen niemand Liederhefte gab oder half, einen Platz in der Kirche zu finden, finde ich schlimm. Dass es dann auch noch Gedrängel am Buffet ohne Rücksicht auf andere gab, finde ich auch schlimm. Sicherlich bin auch ich nicht mehr ganz sicher auf den Beinen und möchte den besten Kuchen ergattern. Das gebe ich gerne zu. Und ich weiß nicht, ob ich mich rücksichtsvoller verhalten hätte als die Frauen, von denen mein Enkel erzählt. Darum schäme ich mich jetzt auch gründlich.

Schlimm finde ich auch, dass erwachsene Behinderte wie Kinder behandelt werden. Meinem Enkel platzte irgendwann der Kragen und es gab richtig Zoff. Die alten Damen waren sauer, sagt er, dass er und sein kleiner Trupp nicht dankbar waren für die Hilfe, die sie bekamen. Aber sie bekamen eben nur die Hilfe, die man ohne Verlust bereit war zu geben. Aufgestanden war niemand. Niemand hatte Platz angeboten. Dafür hieß es: „Was wollen die Kinder essen?“ Da platzte meinem Enkel der Kragen. Da sagte er, das seien keine Kinder. Da sei die alte Dame beleidigt fortgegangen.

Am Ende des Weltgebetstages war ich erschöpft. Wir haben ja auch noch in der Küche gearbeitet und die Kirche aufgeräumt. Aber der Bericht meines Enkels hat mir den Rest gegeben. Was sind wir nur für Christen? Dabei bin ich mir nicht sicher, ob wir es irgendwie besser machen können. Vielleicht sollten wir einfach niemanden einladen? So ein Tag ist stressig. Wir sind es gewohnt, unter uns zu sein. Wir sind einfach nicht darauf eingestellt, uns auch noch um andere zu kümmern. Wir sitzen an unseren Tischen, genießen Kaffee und Kuchen und haben die Bahamas mit ihren Problemen schon wieder vergessen. Jetzt fällt mir die Fußwaschung wieder ein. Wir haben die Probleme der Frauen auf den Bahamas mit einer Fußwaschung verbunden. Aids, häusliche Gewalt, Migration, Brustkrebs, … solche Sachen eben. Die Fußwaschung ist ein bekanntes Ritual aus der Liturgie des Gründonnerstag. Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße. Dieses Evangelium wurde heute vorgelesen. Im Nachhinein denke ich, dass wir vom Vorbereitungsteam alle sehr angespannt waren. Dieses Organisieren macht uns Freude, aber wir werden nicht jünger. Es kommen keine Jüngeren nach.

Jetzt bin ich müde. Ich gehe an einen einsamen Ort, genieße den Vollmond, gönne mir ein Feierabendbier (als Rentnerin muss ich nicht mehr fasten) und bitte Gott, sich unserer Probleme anzunehmen. Damit will ich mich nicht aus der Affäre ziehen. Vielleicht bringt Gott mich auf bessere Gedanken.

Der Troll in unserer Andacht

Seit einiger Zeit kommt ein stadtbekannter Buddhist in unsere Rosenkranzandacht. Er äußert sich vernehmlich, wenn ihm eine Formulierung nicht passt. Das stört. Mein Enkel sagt, solche Leute nenne man im Internet Troll, weil sie ungehobelt die Regeln der Höflichkeit nicht beachten. Sie passen überhaupt nicht ins Setting, sagt er, aber sie sprechen Dinge an, über die man nachdenken kann.
Ich möchte in der Rosenkranzandacht beten, still und so wie ich es kenne. Der Mann stört.
Unsere Gemeindereferentin sagt, im Studium hätte sie gelernt, dass Störungen Vorrang haben. Das sei nicht einfach, weil man eine Veranstaltung gern gelungen über die Bühne bringen wolle. Aber diese Störungen wiesen immer auf Dinge hin, die geändert werden müssen. Denn die meisten Menschen äußern sich nicht. Die meisten Menschen trauen sich einfach nicht, in der Öffentlichkeit ihre Meinung zu sagen.
Ich habe den Buddhisten angesprochen und er hat gesagt, er sei auch mal katholisch gewesen, aber jetzt sei er auf dem richtigen Weg und der sei der friedliche Weg. Aber wir würden immer Menschen ausschließen.
Manchmal denke ich, dass wir Katholiken grad das erleben, was wir anderen jahrhundertelang angetan haben. Diese Überheblichkeit kann ich nur ertragen. Mir fallen wirklich keine Argumente ein. Und wie ich einen Rosenkranz so beten kann, dass es ihm gefällt, weiß ich auch nicht. Ich hab schon keine Lust mehr, in die Andacht zu gehen. Gut, andere schwatzen auch mittendrin, aber sie stören nicht.
Haben Sie eine Idee?

Osterlamm gebacken

Leider ist mein Fotoapparat kaputt, sonst hätte ich euch ein Foto von meinen Osterlämmern gepostet. Sie sind mit Puderzucker bestreut. Sieht lecker aus und duftet schön. Eigentlich wollte ich sie zur Osternacht mit in die Kirche nehmen, weil wir uns anschließend immer im Gemeindesaal treffen und noch ein bisschen essen und trinken. Aber seit der Umstrukturierung im Bistum Essen sind wir eine Gemeinde, die aus ehemals 2 Pfarreien besteht, und das ist menschlich schwierig. Die Osternacht findet in diesem Jahr in der anderen Kirche statt und da erfährt man unsererseits wenig. Auch die Gemeindenachrichten helfen da nicht weiter.

Vergangenen Sonntag habe ich mir eine Osterkerze gekauft. In der Osternacht wird sie mit dem Osterfeuer entzündet. Wir geben das Licht weiter und so wird die Kirche hell. Für alle Familienmitglieder habe ich Kerzen besorgt und Lämmer gebacken. Mein Nachbar, der vielleicht katholisch ist, es aber nicht sagt, bekommt auch ein Lamm. Er ist brummig, aber er freut sich trotzdem.

In den letzten Tagen haben viele Menschen schlecht geschlafen, wegen dem Vollmond. Es ist der Frühlingsvollmond, der immer vor dem Osterfest kommt.

Ende des Rosenkranzmonats

Früher war mehr Rosenkranz.

Wir sind nur noch 3 – 12 Rosenkranzbeterinnen und manchmal auch noch 2 Männer. Rosenkranz wird auch im Oktober nur noch einmal in der Woche in der Kirche gemeinsam gebetet. Und unsere eifrigste Rosenkranzbeterin (sie betet seit 60 Jahren täglich für den Weltfrieden) kommt gar nicht. Einmal im Monat gestaltet die kfd die Rosenkranzandacht, aber meist macht es der Pastor. Wir beten nie den ganzen Rosenkranz. Einmal hat unsere Gemeindereferentin den ganzen Rosenkranz mit uns gebetet. Das war ganz schön lang. Sie sagt auch, wir könnten doch auch selbst eine Andacht gestalten. Das haben wir aber noch nie gemacht. Und das muss jetzt auch nicht mehr.

Das neue Gotteslob kommt Ende September

Erst habe ich gedacht: das ist bestimmt peinlich. Aber die 3 Bischöfe singen ganz gut.
Als ich jung war, gab es das Sursum Corda. So hieß unser Gebet- und Gesangbuch in Paderborn. Sursum Corda ist lateinisch und heißt: „Erhebet die Herzen.“ Mit dieser Aufforderung beginnt das Hochgebet. Damals wurde noch auf Latein gebetet.
Dann kam die Liturgiereform und wir bekamen das Gotteslob, mit dem von Anfang an niemand so richtig zufrieden war. Es wirkte im Vergleich zu seinen Vorgängern unaufgeräumt und unübersichtlich. Das war ja auch ganz klar. Das ganze Leben wird vielfältiger. Es gibt viele neue Worte, es gibt das Internet, viele Nachrichten, mehr Fernsehprogramme … .
Bin gespannt, ob das neue Gotteslob ein gutes Buch und Glaubensbegleiter sein wird. Dieses neue Lied gefällt mir ganz gut.