Zeit des Abschieds

Sie können hier gerne weiterlesen. Alle Artikel sind sehr schön und haben ihren eigenen Reiz. Aber Tante Gertrud wird hier nicht mehr schreiben. Bevor jemand erschrickt: Tante Gertrud ist eine fiktive Figur. Sie steht für die alten Damen in unseren Gemeinden, die von Nerds und Jugendlichen belächelt werden wegen ihrer Rückständigkeit und ihrem Outfit, ohne dass man bis zu ihren Lebenserfahrungen vordringt.

Tante Gertrud und ihr Enkel haben die Dinge dieser Welt gemeinsam betrachtet. Eine Welt mit 2 Sprachen in einer Muttersprache. Der eine ein Digital Native, die andere mit dem Krieg und einer ungreifbaren Schuld in den Knochen. Beide mit grundloser Lebensfreude, beide glauben an Gott.

Auch wenn nichts Neues mehr kommt: stöbern Sie ruhig.

Sterben

Diese Debatte um Sterbehilfe ist sehr feinsinnig. Im Radio hat ein Politiker erklärt (SPD, langer Name mit L, konnte ich nicht behalten), dass „geschäftsmäßig“ in dem Fall des neuen Gesetzes nicht das meint, was wir meinen. Es ging in dem Gespräch um die Frage, ob ein Arzt schuldig wird oder nicht, wenn er einem Menschen über das Wochenende eine Morphiumpumpe überlässt, mit der der Mensch sowohl seine Schmerzen lindern kann, als auch sich selbst töten.

Ich glaube, unser Thema ist eher, wie wir mit Sterbenden umgehen und mit den Familien, die davon betroffen sind. Ich bin kein Arzt. Niemand verlangt von mir, was man von einem Arzt verlangt. Aber der Sterbende lebt ja. Wir dürfen Sterbende nicht alleine lasse. Wir müssen genau so mit ihnen umgehen wie mit anderen auch. Wenn wir mit anderen Menschen umgehen: wie machen wir das? Jeder nimmt den anderen wie er ist. Manchmal gibt es Streit. Manchmal gibt es was zu erzählen. Auf den Markt kann ich mit einem Sterbenden nicht mehr gehen und ich kann ihn auch nicht fragen, ob er beim Gemeindefest hilft. Aber er lebt. Darum ist er ein Teil meines Lebens, wenn er es vor seiner Erkrankung war.

Beerdigung – 11.30 Uhr

Heute findet eine Beerdigung statt, von der ich nur über Twitter weiß. Es geht um einen Menschen, von dem ich bis vor einigen Tagen noch nicht einmal wusste, dass er krank war.

Die Beerdigung ist um 11.30 Uhr und ich bin froh, dass wir Bräuche haben, mit denen wir einen Abschied gestalten können. Ich habe die Kerze schon bereit gestellt und suche noch nach einigen Gebeten. Vielleicht singe ich leise, damit die Nachbarn nicht denken ich spinne, „Wir sind nur Gast auf Erden“.

In meinem Alter ist der Tod eines anderen Menschen mit dem eigenen Tod verbunden. Wir Katholiken beten am Grab auch für den, der „aus unserer Mitte dem/der Verstorbenen als nächster folgen wird“. Das macht mir keine Angst. Das ist so wie andere an ein neues Tablet denken oder ans Kinderkriegen.