La Manche – mein Urlaubsziel

Vor 10 Jahren waren wir das letzte Mal dort und sind nun mal wieder hingefahren. Vor 50 Jahren sind wir zum ersten Mal mit der Familie in der Normandie gewesen. Seitdem zog es uns immer wieder dort hin. Wir lieben das Cotentin. Mittlerweile fahren die Enkel mit ihren Kindern.

Vor 50 Jahren hatten wir vergessen, Zucker mit ins Ferienhaus zu nehmen. Wir wohnten in einem kleinen Dorf im Landesinneren und hatten bei dem ganzen Kurmel keine Lust noch mal zum Einkaufen zu fahren. Kurt ging mit einem Satz im Kopf zum Nachbarn: „Du sucre?“. Das war, ohne Kocketterie, der Beginn einer Freundschaft, die mit der Erkenntnis begann, dass der Befragte in deutscher Kriegsgefangenschaft war. Kurt selbst war in französischer Kriegsgefangenschaft gewesen.

Diesmal suchten wir Lieblingsorte auf und entdeckten dabei Neues:

In St. Vaast-de-la-Hague lebt ein Künstler, der großflächige Bilder malt, auf denen es viel Gesellschaftskritisches zu entdecken gibt. Als Fan der Heiligen Hildegard hat er in einer verfallenen Kirche eine Ausstellung über ihr Leben gemacht. Sie ist noch diesen Sommer zu besichtigen. Wunderschön: die alte, verfallene Kirche und der komplett theologiefreie Zugang zu Hildegard.

Jetzt bin ich müde von der Reise, aber auch froh, wieder daheim zu sein. Sicherlich werde ich nicht mehr dorthin fahren. Aber für Sie, lieber Leser, liebe Leserin, ist La Manche ein heißer Tipp.

 

Im Heim

Viele alte Menschen und ihre Angehörigen schämen sich für das Altsein. Man schämt sich immer, wenn man es nicht aus eigenen Kräften schafft. Meine Großmutter beispielsweise, war zu stolz zum Sozialamt zu gehen. Dabei hatte sie moralisch alle Argumente auf ihrer Seite.

Wir haben in unserem Land alles wunderbar durchorganisiert. Jetzt ist wieder eine Freundin in eine Heim gekommen. Wir kennen uns seit 88 Jahren. Innerhalb von 2 Wochen hat sie all ihre Würde verloren. Das Personal verlangt, dass wir uns bei ihnen melden sollen, wenn wir sie besuchen, weil wir Unruhe ins Heim bringen. Sie hat einen Vormund, auch wenn das jetzt anders heißt, der für sie bestimmt. Und dieser Vormund sagt, dass es gut so für sie ist.

Der Öffentlichkeit ist es scheißegal, was in Heimen passiert. Da kommen Leute rein, die es in der Öffentlichkeit nicht mehr schaffen. Sie passen nicht rein in die Öffentlichkeit. Nur wenn wir sie nicht alleine lasse, können sie noch ein lebenswertes Leben haben. Aber es ist wirklich schwer, sich gegen Fachpersonal und Vormund (auch wenn das nicht mehr so heißt) durch zu setzen. Man wird nicht jünger. Ich habe nicht mehr die Kraft, gegen alle Ungerechtigkeit der Welt zu kämpfen. Darum tut es mir gut, dass der Papst zum Gebet aufruft. Dieses Video ist ein bisschen kitschig, aber es zeigt den einzig möglichen Weg: die Starken müssen sich mit den Schwachen solidarisieren. Wir Christen tun das im Namen Jesu. Gut das der Papst mich daran erinnert. Ich stehe dem überforderten Heimpersonal nicht mehr so hilflos gegenüber und kann auch das leichter ertragen, was ich nicht ändern kann. Ich lege es in Gottes Hände. Ich bete.

Grandma Lo-fi und die Kultur des Teilens

Grandma Lo-fi: The Basement Tapes of Sigrídur Níelsdóttir from Republik Film Productions on Vimeo.

Jetzt weiß ich wieder, was ich mir wünschen kann. Weihnachten, Geburtstag und so, das wird immer schwerer. Aber nachdem ich dies Video gesehen hatte, dachte ich:

Es gibt so viele ganz normale Dinge, die wunderbar sind und die ich mit anderen teilen möchte.

Ich wünsche mir mehr Möglichkeiten, etwas mit anderen zu teilen. WordPress ermöglicht mir, meine Gedanken und Erfahrungen zu teilen. Weil ich gern backe, kann ich anderen mit Kuchen eine Freude machen. Kartenschreiben ist schön. Die einen freuen sich beim Auswählen, die anderen beim Ansehen. Da mein Garten mir zu viel wird, kann ich ihn Leuten zur Verfügung stellen, die durch Urban Gardening auf neue Ideen gekommen sind. … und so weiter.

Danke, Grandma Lo-fi. Danke, G-tt.

Teilhabe, Gleichstellung. Wortgeklingel.

Sie werden einer alten Frau verzeihen, dass sie sich aufregt. Man hat mich seit den 70iger-Jahren nach der Nazizeit befragt und ich habe mich stets verantwortlich gefühlt. Nun beobachte ich die politischen Vorgängen etwas distanziert, wenn auch als Zeitgenossin. Die gleichen Menschen, die mir Vorwürfe machen, schaffen grade ihre Felle aufs Trockene und jammern. Aber ein Agnostiker wie Herr Krauthausen erklärt, dass man Menschen nicht danach bewerten darf, was sie kosten. „Wonach denn?“, ist man geneigt zu fragen. Wissen Sie: ich höre die Gespräche auf dem Kirchplatz, wenn ich auf meine Mitfahrgelegenheit warte. Letztlich geht es um Machbarkeit und Geld. Warum kommen nicht mal wir Christen auf die Idee, dass es andere Werte geben könnte? Dieser ungläubige Herr Krauthausen ist natürlich selbst betroffen und kommt von daher leicht auf die Idee, dass es im Leben mehr gibt als ein Qualitätsmanagement. Übrigens war ich damals im Dienst die Letzte, die die Gefahren begriffen hat, die im Qualitätsmanagement liegen. Heute holt der Betriebsleiter im Zweifelsfall den Ordner aus dem Schrank und weist nach, dass alles gemäß Qualitätsmanagement läuft. Dann kann es auch keinen Fehler geben. Der Laie staunt und der Fachmann wundert sich. Denn wir sehen tagtäglich, dass es nicht gut läuft. Wissen Sie, dass in unserer Gemeinde nur Gymnasiasten an der Firmvorbereitung teilnehmen? „Es fällt uns schwer, diese Mängel in der Öffentlichkeit anzusprechen,“, sagt die Pfarrgemeinderatsvorsitzende, „denn man zeigt mit Fingern auf uns und verlangt eine Lösung.“ Und die Lösung soll funktionieren. Und niemand will daran beteiligt sein. Eine Gemeinde aus Unbeteiligten. Eine Gesellschaft aus Unbeteiligten. Hier die Einen, da die Anderen. Wer trägt die Verantwortung? Natürlich steht im Bus jemand auf, wenn ich reinkomme und kein Platz mehr frei ist. So ist das. Die Jugend ist nicht schlechter als zur Zeit der Heiden von Kummerow. Aber wenn Probleme auftreten, sind es immer gleich die Jugendlichen oder die Schule oder es ist das System. Wir reden nicht mehr von dem, was uns wichtig ist. Wir bauen Zäune und schützen unser Eigentum. Dabei werden wir nicht überleben. Man wird auch in 50 Jahren wieder aufarbeiten müssen, was in dieser Zeit an Unrecht geschieht. Es ist sehr schwer, den Unterschied zwischen Lüge und ahnungslosem Geschwätz zu markieren. Continue reading „Teilhabe, Gleichstellung. Wortgeklingel.“

Abschied vom Enkel

FreifunkRheinland
Freifunk

Mein Enkel hat die Schnauze voll. Er wird nach Weihnachten ins Ausland gehen. Vorher hat er mir die 2-Wege-Authentifizierung und das Online-Banking beigebracht. Ich hoffe, ich hab alles verstanden. Wen kann ich fragen, wenn er nicht da ist?

Wir haben uns über Bildung unterhalten. Er ist wütend über die Presse. Lügenpresse sagt er nicht. Aber er sagt, dass die Öffentlichkeit in Angst gehalten wird. Ich erinnere mich an die Zeit, in der es besser erschien, unentdeckt zu bleiben oder einfach nur nicht aufzufallen. Wir leben nicht in einer Diktatur. Aber die Machthaber (wer immer das sein mag) haben erkannt, dass man auch ganz anders Macht ausüben kann. Teilen und herrschen. Ist ganz einfach. Wer Geschenke bekommt, meckert nicht.


 

Auf meinem Balkon steht ein Grablicht. Darin brennt das Friedenslicht aus Bethlehem. Mein Enkel hat es mir von einem Gottesdienst der Pfadfinder mitgebracht. Da war ein Freund von ihm dabei, der auch im Unperfekthaus aktiv ist. Wir müssen aufpassen, sagt mein Enkel, dass unser Leben aus der Folkloreschleife wieder rauskommt.

  • Fest der Liebe.
  • Versicherung.
  • Wir schaffen das.

Wenn wir nichts mehr davon hören wollen, schalten wir einfach den Fernseher aus.

Manchmal denke ich, zu anderen Zeiten wäre mein Enkel ein Katharer geworden. Aber er ist kein Radikaler und hat viel Verständnis für andere Lebensansätze. Nur dass wir Christen unser Christsein für ein Butterbrot und das bisschen Sicherheit verkaufen, gefällt ihm nicht. Das gefällt auch mir nicht. Es macht mich froh, dass in unserer Gemeinde Flüchtlinge willkommen sind. Aber ich komme aus der Sorge um meine Altersversorgung nicht raus. Mein Enkel sagt, ich solle mir keine Sorgen machen. Diese ganze Sparerei. Da blickt doch keiner mehr durch. Es wird schon gut gehen.

In Bethlehem gibt es radikale Kräfte. Habe ich in den Nachrichten erfahren. Ja. Diese ganzen Zusammenhänge aus Angstmacherei und dem was uns wirklich wichtig ist, was wir schützen wollen, was überleben soll, was leben soll. Die radikalste Kraft ist die der Liebe. Die überlebt auch ohne Protektion. Diese Kraft zieht meinen Enkel aus dem vollgekackten goldenen Käfig.


 

Ich bin müde. Die ganze Lügerei und Hetzerei. Die vielen Nachrichten. Das Verstummen. Die Weihnachtsbotschaft. Ob ich heute Abend in die Christmette gehe, weiß ich noch nicht. Ist schade, aber ich bin so müde.

Frohe Weihnachten !

Von Charlie Brown, Kermit und anderen Alphatieren

Vielleicht haben Sie mich vermisst. Ich war im Krankenhaus. Nur zur Information. Ihnen habe ich von dort was mitgebracht:

1. Bloggen machte keinen Spaß, schlapp wie ich war. Mein Enkel wollte mir Twittern beibringen. Er hat es mir gezeigt und erklärt und ich konnte es bei ihm auch ausprobieren. Vielleicht mach ich das mal. Aber im Krankenhaus war keine Zeit für Neues.

2. Unter den Besuchern, die einem Trost spenden im Krankenhaus, sind nicht Wenige, die ihren seelischen Müll abladen. Als ich schon kurz vorm Durchdrehen war wegen der immer gleichen Geschichten, kam mir eine Idee. Ich musste so viel daran denken, dass es mich vorm Durchdrehen gerettet hat: Wir machen uns über unsere Führungspersönlichkeiten gerne lustig und stellen sie als unfähig dar. Ist Ihnen das auch schon aufgefallen? Was ich mir über Angela Merkel und unseren Pfarrer alles anhören musste, geht auf keine Kuhhaut. Die beiden haben ja nichts gemein, als dass sie für uns Verantwortung tragen. Aber wir geben unsere Verantwortung mit Wahlen nicht ab. Auch in der Kirche bin ich nicht nur ein Schaf einer Herde, sondern ein getaufter Christ mit eigenen Gebeten. Ob ich die Straße kehre, Müll aufhebe, über meinen Nachbarn herziehe, wie ich mit meinen Pflichten umgehe und wie es mir dabei geht, das liegt alles an mir und nicht an Frau Merkel und auch nicht am Pfarrer.
Darum habe ich irgendwann zu einem besonders schlimm herumjammernden Besucher gesagt, ob er denn nicht sähe, welche Möglichkeiten in seiner Hand lägen? Er sah mich erstaunt an und sagte nach einer kurzen Schrecksekunde, er wolle mich doch nur aufmuntern. Dann haben wir gemeinsam ein wenig darüber gesprochen, was einen wohl aufmuntert, bis ich so müde wurde, dass ich ihn bat, zu gehen. Ob er mir böse ist?

Kurzfassung der Pfarrgemeinderatssitzung: Das Wort Gottes erfolgreich unter den Sorgen des Alltags erstickt

Gestern war ich seit langer Zeit mal wieder bei einer Pfarrgemeinderatssitzung. Zukunftswerkstatt, sagten sie. Es sei öffentlich und alle seien willkommen.

Der Diakon gab eine Einführung mit einem geistlichen Wort über eine Zeichnung aus einer Katakombe in Rom: ein stilisierter Kornhalm, der aus einem überdimensional großen Samenkorn wächst. Dazu las er das Gleichnis vom großzügigen Sämann.

Die Tagesordnung war umfangreich, wurde aber von dem im Bistum Essen laufenden Prozess der Umstrukturierung dominiert. Es gab einen Rückblick auf eine Info-Veranstaltung des Bistums. Tenor des Rückblicks: „Die machen ja doch, was sie wollen.“ Argumente: Kirchenaustritte, kein Geld, keine Personal. Die Karre fährt vor die Wand, sagte einer der Pfarrgemeinderatsmitglieder immer wieder. Ich hatte den Eindruck, dass ihm dieses Bild gefällt.

Irgendwann meldete ich mich zu Wort und sagte: „Aber wir arbeiten doch weiter?“ Die Wortführer fanden den Beitrag skurril und brachten das auch deutlich zum Ausdruck.

Ich werde weiter

  • Kartoffeln schälen für das Gemeindefest (das früher Pfarrfest hieß).
  • Geburtstagsbesuche im Namen der Gemeinde machen.
  • Küstervertretung machen.
  • mit meinem Enkel die Kommunikation im Internet und die geistlichen Spuren dort erkunden.
  • sonntags zur Kirche gehen.
  • Einladungen zu interessanten Veranstaltungen in unseren Schwestergemeinden annehmen.
  • an das Wort Gottes glauben.

Was ich nicht mehr machen werde:

  • eine Pfarrgemeinderatssitzung besuchen.

Dazu ist das Leben einfach zu kurz und ich sehe sinnvoller Möglichkeiten, für meine Gemeinde aktiv zu sein und die Zukunft mit zu gestalten.

Schade. Eigentlich. Ein Laiengremium, das in den Sorgen des Alltags erstickt.